Ivos Geschichte

An meinen ersten Tag in meinem Leben als Diabetiker kann ich mich noch ganz genau erinnern: Im Jahr 2003, ich war damals 13 Jahre alt, holte mich meine Mutter von der Schule ab. Uns war in den vergangenen Wochen aufgefallen, dass ich besonders viel trinke. Also sind wir zum Kinderarzt gefahren und haben das untersuchen lassen. Als meine Ärztin damals ins Zimmer kam und uns meine Diagnose mitteilte, kamen meiner Mutter die Tränen. Ich saß neben ihr und hab überhaupt nicht verstanden, was eigentlich los war. Diabetes mellitus Typ 1 – was ist das? Ausgestattet mit einer Flasche Wasser sind wir ins Olgäle gefahren. Anschließend war ich für knapp 2 Wochen stationär im Krankenhaus, so langsam dämmerte mir die Dimension dieser Krankheit und ließ mich die Reaktion meiner Mutter verstehen. Der Diabetes knallte mit voller Wucht in mein Leben.

In Mitten der Pubertät empfand ich den Diabetes als Störenfried. Ich hatte überhaupt kein Interesse, mich häufig messen und spritzen zu müssen – ich wollte mein Leben vor der Diagnose zurück! Je mehr Zeit verging und je mehr kritische und teils gefährliche Erlebnisse ich machte, desto klarer wurde mir, dass das so nicht funktionieren kann und ich, wenn ich mein Leben aktiv und selbstbestimmt leben möchte, meine Einstellung dem Diabetes gegenüber ändern muss. Mit der Pumpentherapie war nach zwei Jahren ein Kapitelwechsel möglich und ich habe mich kontinuierlich im Umgang mit dem Diabetes verbessert. Mir wurde bewusst, dass ich meinen Körper besser kennenlernen sollte, um mein Leben frei und selbstbestimmt leben zu können.

Heute kenne und setze ich mir keine Grenzen. Ich habe über viele Jahre und ein bewusstes Training mit mir und meinem Körper gelernt, meinen Diabetes nicht mehr als Hinderungsgrund, sondern viel mehr als einen Begleiter zu sehen, durch den ich viel lernen und an dem ich wachsen konnte und immer noch kann. In den vergangenen zwei Jahren konnte ich durch meinen verantwortungsbewussten Umgang und mein Wissen und die Erfahrung mit dem Diabetes, für mich wichtige Pläne realisieren. 2014 habe ich eine Ausbildung zum Gleitschirmpiloten gemacht. Die Krönung kam in diesem Frühjahr, als ich sechs Monate auf einem Weingut im Barossa Valley in Australien gearbeitet habe. Ein vollkommen anderes Klima, die Zeitumstellung, Temperaturen über 40 Grad und körperliche Schwerstarbeit haben meine gesamte Erfahrung gefordert. Die Erfahrungen mit meinem Diabetes und meine Fähigkeiten, Menschen in anspruchsvollen Bewältigungsprozessen in die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein zu begleiten, möchte ich heute nutzen, um Diabetikern und deren Familien, Partnern und Freunden den Umgang mit ihrem Diabetes zu erleichtern.

 

Was nervt mich manchmal am Diabetes?

Es gibt manchmal Momente, in denen ich an meinen Werten verzweifle, weil ich die Entwicklung einfach nicht verstehe. Das macht mich traurig, ärgert mich und manchmal macht es mich auch wütend. Dann überlege ich mir, wie viele tausend Jahre mein Körper Zeit hatte, um die Regulierung des BZ zu lernen. Das zaubert mir wieder ein Lächeln ins Gesicht.

Was habe ich durch den Diabetes gelernt?

Haha, viel, sehr viel. Hauptsächlich über mich selbst. Immer wieder fasziniert mich die Perfektion unseres Körpers, ich bewundere seine Fähigkeiten zutiefst. Durch den Diabetes hab ich gelernt, auf meinen Körper zu hören, die Signale zu erkennen und mich um ihn zu kümmern. Heute sind wir ziemlich beste Freunde.

Was war mein schönstes Erlebnis mit dem Diabetes?

2014 habe ich mich entschieden, am Achensee in Österreich eine Ausbildung zum Gleitschirm-Piloten zu machen. Nach ein paar Tagen stand ich oben am Startplatz und durfte starten. Meine BZ-Werte waren konstant, ich hab meinen Startcheck gemacht und bin gestartet – wortwörtlich in ein beflügeltes Lebensgefühl.

 

Mein beruflicher Werdegang:

2009 habe ich mein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten / Herdecke begonnen. Mein Fokus in meinem Studium lag auf den Bereichen Change- und Innovationsmanagement sowie der Unternehmensentwicklung. 2013 habe ich eine Zusatzausbildung „Unternehmensentwicklung“ bei Steinhübel Coaching in Osnabrück absolviert, bei der ich zusätzlich Fähigkeiten im Umgang mit Menschen in Veränderungsprozessen gelernt habe. 2011 habe ich ein eigenes Unternehmen gegründet, das Kleinlederwaren im B2B-Bereich produzierte. Sowohl als Geschäftsführer dieser Firma, als auch bei Beratungsprojekten, die ich zwischen 2010 und 2015 in unterschiedlichen Branchen und Bereichen von kleinen und großen Unternehmen zum Thema Prozessoptimierung und Veränderungsmanagement durchgeführt habe, konnte ich auf diese Kenntnisse aus dem Coaching zurückgreifen, was maßgeblich zum Projekterfolg beigetragen hat. Seit 2016 arbeite ich selbstständig als Emotions- und Motivationscoach für Diabetiker und deren Familien.

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